Vorab möchte ich sagen: ich mag Violinen-Konzerte, kenne mich damit aber nicht aus. Ein Erlebnisbericht über Applaus und lange Gänge.
Über Spontacts entdeckte ich die Veranstaltung im Schloss Charlottenburg. Als Ziel einer Stadtwanderung war es mir bereits bekannt, aber ich hatte noch nicht die Gelegenheit rein zu schauen. Mein Start war die S-Bahn-Station „Westend“, von der ich ins Restaurant Eosander aufbrach. Die Schlossanlage ist gigantisch. Man läuft den Spandauer Damm entlang und zur Linken scheint das Schloss mit seinen Nebengebäuden nicht aufzuhören. Ich war etwas unsicher, welchen der vielen Eingänge ich wohl für das Konzert werde nehmen müssen.
Im Eosander blieb noch kurz Zeit für eine Cola und um zusammen zu kommen. Zwei Begleiterinnen fanden sich für den Moment, ein Dritter würde auf dem Konzert zu uns stoßen. Das Eosander verließ ich mit dem Gedanken, noch mal wieder zu kommen.
Schlussendlich fanden wir als Ort des Geschehens die „Große Orangerie“, die laut Wikipedia unter der Leitung Eosander von Göthe erbaut wurde und damit den ersten Kreis des Abends schloss. Schon zu Herrschaftszeiten wurde dieses Gebäude für Veranstaltungen genutzt, wenn im Sommer die Zitrusfruchtbäume draußen im Warmen standen.
Schon beim Betreten offenbarte sich das Gebäude als angemessener Schauplatz dieser Veranstaltung. So ein Schloss ist schon ein schicker Ort. Vom Foyer erstreckten sich langgezogene Gänge in beide Richtungen und erinnerten an das weiträumige Gefühl beim ersten Vorbeilaufen. Im linken „Flügel“ sahen wir noch die abgedeckten Tische der Gäste, die sich das volle Programm mit vorherigem Dinner gönnten. Wir hatten Groupon-Gutscheine und waren nur zum eigentlichen Konzert geladen.

Vom historischen Tanz kenne ich den Begriff „Gewandung“, als solche würde ich also auch die Kostüme auf der Bühne beschreiben. Es verlieh dem ganzen Abend einen würdigen Touch und vollendete das Ambiente. Das Konzert eröffnete mit einer kleinen Moderation, die elegant, charmant und witzig auch durch den ganzen Abend leitete. Wie ich beim Schreiben dieses Artikels auf Wikipedia lerne, konzipierte auch Vivaldi seine vier Jahreszeiten mit außermusikalischen Anekdoten.
Nach dem ersten Satz zeigte sich kurz, wer im Raum „sich auskennt“ und wer nicht. Wenige Applaudierten, die Meisten warteten. Nach dem zweiten Satz traute sich niemand zu klatschen. Erst nach dem dritten Satz startete der Beifall und zeigte auch dem Banausen, dass jetzt wohl das „Lied“ vorbei war.
Der Abend war keine vollständige Abhandlung der vier Jahreszeiten, aber zumindest zwei davon fanden sich wieder. Neben Vivaldi hatte ein weiterer Komponist seiner Zeit einen Platz im Programm gefunden.
Abgerundet wurde der Abend durch eine Gastsopranistin aus Dresden, sodass auch mein ungeübtes Opernohr an diesem Abend auf seine Kosten kam.
Noch bis zum 14. Februar sind diese Konzerte immer wieder Mittwochs und Samstags. Karten sind über Groupon günstiger zu bekommen.

